KindergartenKritik

Für Eltern und alle, die mehr wissen wollen

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Alles bestens in Kita Sonnenschein? Wenn nur die Kinder nicht so oft krank wären…

Zahnende Kleinkinder
drücken sich ihre Finger in den Mund.
Schnodder tropft ins Bällchenbad…

Als Mia vor drei Wochen aus dem Kindergarten abgeholt wurde, spielten alle Kinder im Garten. Mia strotzte vor Gesundheit. Auf dem Heimweg trällerte sie ihrem Vater ein umgedichtetes Kindergartenlied vor. Statt den Herbst zu besingen, schmetterte sie „Der Pups ist da! Er bringt uns Wind, hei-hussassa!

Szenenwechsel: Erkältungskindergartenzeit. Statt lange draußen zu spielen, halten sich alle überwiegend in feucht-warmen Räumen auf. Es wird geniest und gehustet. Zahnende Kleinkinder drücken sich ihre Finger in den Mund. Andere Kinder vergessen im Spiel, ihre Nasen zu putzen. Schnodder tropft ins Bällchenbad und auf das Müllauto, das Jan verteidigen muss. Angelutschte Bausteine werden abgewaschen. Kurze Zeit später sind sie wieder angelutscht. Während Krippenkinder über eine schiefe Ebene krabbeln, sorgen sie für nasse Spuren. Die Infektionsgefahr ist ausgerechnet für die Kleinsten und durch die Kleinsten besonders hoch.

Eltern mehrerer Kinder kennen das Problem: Erst ist ein Kind unpässlich. Es muss abgeholt werden. Dann das andere. Dann wieder das erste. Auf den Kindertoiletten riecht es nach Antibiotika. Auch andere Kinder sind krank – und Eltern fragen sich: Waren wir früher auch so oft krank? An Auszeiten in Serie können sie sich nicht erinnern. Die Kollegen machen schon spitze Bemerkungen. Und während Eltern, zermürbt vom nächtlichen Kümmern um den Nachwuchs, wenigstens am Wochenende ausschlafen wollen, turnen ihnen frühmorgens die Kinder putzmunter über die Betten. Der Kleinste will jetzt in seine Kita! Er ist wieder fit und will nicht glauben, dass sonntags niemand dort ist.

Nein, es ist nicht alles in Ordnung in Krippen und Kitas. Aber die Kinder freuen sich trotzdem, können quietschvergnügt sein. Den Ist-Zustand ihrer Kitas nehmen sie nach der Eingewöhnung meist einfach hin. Anders als Erzieherinnen, die schon in mehreren Kitas gearbeitet haben, können sie keine Vergleiche ziehen. Und so wie selbst schwer misshandelte Kinder ihre Eltern über alles lieben können, schaffen Kinder es, Kitas zu akzeptieren, die kinderfreundlich aussehen, ohne es wirklich zu sein. Es zu eng und zu laut in unseren „Kinderparadiesen“. Was würde wohl ein „Kita-Qualitätsgesetz“, das wir nicht haben, daran ändern?

Wird Eltern bei der Anmeldung „unser Multifunktionsraum“, eine mit stapelbaren Kinderbetten bestückte Turnhalle gezeigt, heißt das im Klartext, dass diese Turnhalle für Stunden nicht von Kindern zum Austoben genutzt werden kann. Bereits vor dem Mittagessen werden die Stapelbetten aufgestellt. Und bis das letzte Kind aus dem Mittagsschlaf erwacht ist – das kann dauern! Solange die Kleinen schlafen, lässt man die älteren Kinder Rücksicht nehmen. Zu leiser Musik werden ihnen Mandalas zum Ausmalen angeboten. „Wer möchte noch ein Verkehrszeichen-Mandala?“

Drinnen findet mehr Bildung als früher nach Förderprogrammen statt. Mädchen und Jungen erhalten in Gruppenstärke Zertifikate über ihre laut Bildungsplan geförderten Kompetenzen. Das Repertoire reicht von der „Krabbelurkunde“ bis zum „Umweltschutzexperten“. Der forcierte Betreuungsplatzausbau hinterlässt Spuren. Nicht nur Kitas, auch Bildungsdokumentationen müssen gefüllt werden. Doch mit welchen Inhalten?

„Wir freuen uns wirklich, wenn die Kinder zu uns in Ferien kommen“, meinte Monas Schwiegermutter am Telefon. „Aber nachdem der Opi wegen seiner ansteckenden Bindehautentzündung wochenlang kein Auto fahren konnte, will er nicht mehr auf Abruf… Dafür müsst ihr Verständnis haben. Die Kinder sind einfach zu oft krank.“

Die knapp zweijährige Vera sieht bleich aus. „Magen-Darm“ hat ihr nicht nur physisch zugesetzt. Aus Angst vor dem Erbrechen hat sie erst das Essen und dann das Trinken eingestellt. Ihre allein erziehende Mutter und die Erzieherinnen gaben sich die größte Mühe, sie zum Trinken zu animieren. Vera hielt den Mund zu, sträubte sich. Erst als es hieß, dass sie ins Krankenhaus müsse, begann sie, Eis aus gefrorenem Saft zu lutschen.

Kranksein im Spiel dagegen kann richtig nett sein: Vor allem, wenn die Erzieherinnen Zeit haben und sich entspannt zurücklehnen können. Liebevoll wird die Erzieherin einer Krippengruppe mit einer zu kurzen Decke zugedeckt. „Du bist jetzt krank!“. Neben ihren Kopf stellt eine resolute Dreijährige einen kleinen Eimer: „Für wenn du mal kotzen musst“.

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